Montag, 13. Oktober 2008
Die sechs großen Gs im Leben mit Gott - Predigt in der Abendkirche *zwei* am 12. Oktober 2008
Und ich möchte in diesem Zusammenhang heute mit Ihnen über das aufregendste Ereignis Ihres Lebens sprechen - und ich meine damit nicht Ihren ersten Schultag oder den Abend, an dem Sie Ihren Lebenspartner kennengelernt haben ...Ich meine schlicht und ergreifend: Ihre Geburt!
Sie werden daran wie ich auch sicher keine abrufbaren Erinnerungen haben. Aber medizinische Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass unsere Geburt ein zutiefst aufregendes Ereignis ist! Und bei weiterem Nachdenken ist das durchaus nachvollziehbar!
Die ersten neun Monate unseres Lebens waren geprägt von Fruchtwasser, Nabelschnur und Herztönen unserer Mütter! Das war unsere Welt! Und dann kam unsere Geburt sozusagen als ein geradezu fantastisches Event, das alles was wir bis dahin für die Welt und die Wirklichkeit gehalten haben, komplett in den Schatten stellte und uns mit einer Welt voller neuer Entdeckungen und Abenteuer konfrontierte und immer noch konfrontiert! Das Leben nach der Geburt ist ein ganz anderes als das vor der Geburt!
Wenn Jesus vom Leben der Kinder Gottes spricht benutzt er auch häufig den Ausdruck „Geburt“ oder besser „neue Geburt“! Und er meint damit diesen Moment, wo Menschen sich ihm mit ihrem Leben anvertrauen und bewusst Gottes Kinder werden. In Johannes 1 heißt es: Gottes Kind wird man nicht „durch natürliche Geburt oder menschliches Wollen und Machen, sondern weil Gott ... ein neues Leben gibt“. (Joh 1,13 GNB).
D. h.: Menschen, die Christen werden, erleben laut biblischer Botschaft etwas ganz Ähnliches wie eine Geburt! - Christ-Werden bedeutet ein Neu-Geboren-Werden - und Christ-Sein bedeutet ein ganz anderes, ein neues Leben unter neuen Voraussetzungen nach der neuen Geburt!
Und bei neugeborenen Christen geht es wie bei neugeborenen Kindern in erster Linie mal um eine gesunde Entwicklung: Und dafür sind sechs Faktoren entscheidend. Ich nenne sie einfach mal die sechs großen Gs im neuen Leben mit Gott! Und ich möchte Ihnen damit zeigen, was für einen wunderbaren Gott wir haben, der uns wirklich den ganzen Segen eines neuen Lebens mit ihm ermöglicht und bereitstellt.
Gott möchte uns segnen, beschenken mit einem Leben, in dem nichts, gar nichts vergeblich ist! Wenn wir zu ihm kommen als seine Kinder, uns mit unserem Leben ihm anvertrauen und uns mit dem, was wir haben und sind, in seinen Dienst stellen, dann kommen wir nicht vergeblich, dann bekommt unser Leben ein neues Ziel und einen neuen Wert!
Ich möchte heute Abend gerne in diesem Bild von der neuen Geburt bleiben! Jesus sagt ja auch: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt (es sich nicht schenken lässt (GNB)) wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen!“ (Markus 10,15) - Fühlen Sie sich heute einfach mal in die Rolle als Kind des Vaters hinein!
(1) Gottes Wort als Grundnahrungsmittel
Was sind die Grundbedürfnisse eines neugeborenen Kindes? Klar! Nahrung zuallererst! - Und wenn wir neugeborene Christen sind, Menschen mit einem neugeschenkten Leben, brauchen wir auch Nahrung, wenn wir in diesem neuen Leben wachsen wollen, uns gut und gesund entwickeln wollen!
Petrus schreibt in einem Brief an junge, neu entstandene Gemeinden in Kleinasien einen faszinierend einfachen und überzeugenden Satz, was die Grundnahrung von Christen ist: „Wie neugeborene Kinder nach Milch schreien, so sollt ihr nach dem unverfälschten Wort Gottes verlangen, um im Glauben zu wachsen und das Ziel, eure Rettung, zu erreichen.“ (1. Petrus 2,2 GNB)
Sehen Sie, wir stehen hier also nicht im weltanschaulichen Drogeriemarkt vor einem Regal und müssen mühevoll auswählen! Wenn wir im Glauben wachsen wollen und das Ziel, unsere Rettung, erreichen wollen, gibt es da nur eine angemessene Nahrung: Das erste G: Gottes Wort! So wie es uns in der Bibel begegnet, im Gottesdienst begegnet und in Büchern, die sich mit Themen des Glaubens beschäftigen!
Nun müssen wir denn aber auch so ehrlich sein und fragen, was denn ist, wenn wir darauf keinen Hunger haben! Die Antwort ist ganz einfach: Wenn ein neugeborenes Kind keine Nahrung will, dann stimmt da was nicht! Wenn wir es in unserem neuen Leben an der notwendigen Nahrung fehlen lassen, dann stimmt bei uns auch was nicht. Dann sind wir geistlich gesehen nicht gesund!
Dann sind wir im struwwelpeterschen Sinne statt Suppenkasper Bibel-Kasper, Predigt-Kasper, Gottesdienst-Kasper! Und dann wird wie beim Suppenkasper unser neues, von Gott geschenktes Leben degenerieren und eingehen. Es wird am Ziel, an der Rettung vorbeigehen, wie Petrus das so ganz klar sagt! Dieses Wort „Rettung“ übrigens, wir können das auch als „Heil“ übersetzen oder als „Heilung, Wiederherstellung, gesunde Entwicklung“. Aber ohne die richtige Nahrung erreichen wir dieses Ziel nicht!
Denken Sie jetzt mal nicht, dass ich immer Lust habe, meine tägliche Stille Zeit mit Bibel und Gebet zu absolvieren! Oder in den Gottesdienst zu gehen! Eine Predigt anzuhören! Manchmal habe ich dazu keine Lust! Oder meine, ich hätte dafür keine Zeit! Das ist dann ein ganz klares Zeichen dafür, dass in meinem Leben mit Gott etwas faul ist! Und dann muss ich was dagegen tun, dass ich jetzt am Ziel vorbeigehe! Dann muss ich auch mal essen ohne Hunger! Denn ich brauche doch einfach diese innere geistliche Dynamik und Spannkraft, die Gott mir aus seinem Wort schenkt, zum Leben! - Und das ist meine Erfahrung, die ich Ihnen gern weiter gebe: Irgendwann stellt sich dieser Sinn für das Abenteuer des Lebens mit Gott wieder ein! Gott ist gut! Er schenkt uns das!
Seien Sie kein Bibelkasper! Es gibt hervorragende Hilfen für die tägliche Bibellese! Ein paar davon habe ich Ihnen zusammengefasst und auf ein Blatt Papier gebracht!
(2) Gebet als Kommunikation mit Gott
Ein weiteres Grundbedürfnis Neugeborener ist emotionale Zuneigung und Kommunikation! Ganz selbstverständlich schreit ein kleines Kind nach Mama und Papa - in den unmöglichsten Situationen. Und wenn Mama und Papa dann da sind, wenn das Kind ruft, dann wächst Vertrauen!
„Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!“ (Galater 4,6 LUT)Das schreibt Paulus über das zweite G, das Gebet, in Galater 4 - an erwachsene Menschen, die einen Anfang im Glauben an Gott gemacht haben!
Und ich finde das klasse - er schreibt da nicht: „Du sollst dann und dann so und so beten!“, sondern er bringt etwas auf den Punkt: Neugeborene Christen rufen ganz automatisch nach ihrem Vater im Himmel! Weil sie ihr Leben ganz aus Jesus geschenkt bekommen haben, möchten und können sie genau wie Jesus ganz selbstverständlich mit ihrem Vater im Himmel reden!
Verstehen Sie: Es ist normal, wenn wir beten! Es ist nicht normal, wenn wir das nicht tun! Und es gibt dafür auch keine Zeit und keine Unzeit! Wenn ich alleine Auto fahre, bete ich häufig. Wenn ich nervtötende Dinge tue, wie z. B. Rasenmähen, bete ich häufig. Wenn ich vor einem harten Tag morgens dusche, bete ich. Es ist besser, mit meinem Sorgen und Befürchtungen zu meinem himmlischen Vater zu gehen, als sie vor mir aufzutürmen wie einen Berg, den ich dann ohne Netz und doppelten Boten allein erklettern soll!
Es ist wunderbar, das zu wissen: „Weil ihr nun seine Kinder seid, schenkte euch Gott den Geist Jesu. Deshalb dürft ihr jetzt im Gebet zu Gott sagen: Lieber Vater!“ (Gal 4,6 HfA)
Christen, die in ihrer Beziehung zu Gott wachsen möchten, werden das noch anders nutzen. Sie werden sich eine feste Zeit am Tage zulegen, in der sie beten und mit Gott sprechen, auf ihn hören. Sie werden das mit ihrer Bibellese verbinden; sie werden im Gebet nicht nur an sich, sondern auch an andere denken, für ihre Gemeinde und Gemeinschaft beten.
(3) Glaube als angemessene Antwort auf Gottes Liebe
Sie werden das tun, weil sie etwas haben, das auch neugeborene Kinder besitzen: ein angeborenes Grundvertrauen zu ihren Eltern und zur Liebe Ihrer Eltern! - Und so wie wir als Eltern zutiefst davon beglückt sind, wenn unsere Kinder unsere Liebe zu ihnen mit ihrem Vertrauen und ihrer Liebe beantworten, so ist unser Glaube (das dritte G), unser Vertrauen zu Gott auch die einzig angemessene Antwort auf seine Liebe zu uns!
„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16 LUT)
Für mich ist das immer wieder ein völlig neuer Maßstab, an dem mein Leben gemessen wird. Wenn mein Leben nicht verloren gehen soll, dann muss ich nicht dies oder jenes machen oder nicht machen! Ich brauche bloß tun, was jedes Kind kann: Vertrauen! Glauben! Das dritte G!
Das bewusst annehmen, dass Jesus Christus für all das gestorben ist,
- was ich zuviel an Salz in der Suppe meines Lebens mit Gott habe,
- für all die Leichen, die ich im Lebens-Keller habe,
- für all die Verwundungen meiner Seele und für die die ich anderen Seelen zugefügt habe,
- für alles, was mich hier bindet und knechtet, unendlich belastet.
Er macht mich davon frei, nimmt das alles mit ans Kreuz, reißt es in den Tod - und da kann ich es lassen! Und dann kommt er als Auferstandener zu mir und beschenkt mich mit einem neuen Leben!
Johannes schreibt: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben!“ (Johannes 1,12 LUT)
Alles andere fallen lassen, ihn aufnehmen - das macht zu Gottes Kind! Das bringt ans Ziel! Das zieht ganz neue Kreise in deinem Leben!
(4) Gottes Gebote als Wertvorstellungen des Lebens mit Gott
Alles andere fallen lassen, Jesus Herrn in meinem Leben sein lassen, das zieht neue Kreise im Leben! Und das stellt auch vor neue Herausforderungen! Neugeborene Christen müssen wie neugeborene Kinder massenhaft neue Dinge lernen, damit sie in ihrem neuen Leben leben und überleben können.
Für unser Leben mit Gott ist es entscheidend wichtig, von wem wir lernen. Denn es gibt unendlich viele Lernangebote, die uns beeinflussen. Ob Sie fernsehen, ein Buch lesen, im Internet surfen, mit der Nachbarin reden, ob wir gleich im Foyer stehen und miteinander sprechen: Es wird immer gelernt, beeinflusst; Einstellungen werden verändert oder untermauert. Und wir haben uns ganz schön angewöhnt, auf die laute Mehrheit zu hören!
Jesus sagt seinen Leuten dazu:
„Lasst euch von mir in den Dienst nehmen, und lernt von mir! Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Bei mir findet ihr Ruhe für euer Leben. Mir zu dienen ist keine Bürde für euch, meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,29+30 HfA)
Das ist unsere Herausforderung: Mitten unter all den Stimmen, die uns umgeben, seine Stimme zu hören! Nach seinen - und jetzt kommt das vierte G - nach seinen und Gottes Geboten zu leben!
Jesus sagt: „Das Gebot Gottes ist ewiges Leben!“ (vgl. Johannes 12,50) - Und wenn das unser Ziel ist und unser Ziel für die Menschen, die uns begegnen, dann werden wir bei unserem Reden, Denken und Handeln nicht mehr abwarten, was denn wohl die anderen und die Mehrheit denken.
Wir werden uns fragen: Wie würde Jesus darüber denken? Was würde Jesus dazu sagen? Was würde Jesus tun? Wie lautet sein Gebot in diesem ganz konkreten Moment?
(5) Gemeinschaft als Sozialform des Lebens mit Gott
Auch wenn ich noch so beredt darüber spreche: das ist nicht einfach! Jesus sagt selbst: Es ist eine „Last“, aber eine „leichte Last“! Denn er hat uns etwas Großartiges geschenkt, das uns hilft diese Last leicht zu schultern!
„Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.“ (Johannes 13,34 LUT)
Sehen Sie: Es geht nicht um mich! Es geht auch nicht um Sie! Es geht um uns! „damit auch ihr einander lieb habt!“
Und da möchte ich heute Abend mal ganz prosaisch sein, was dieses „einander lieb haben“ betrifft. Wir müssen hier untereinander nicht die besten Freunde sein. Einfacher nüchterner Respekt voreinander ist schon viel. Wir begegnen uns hier als Menschen, die Gott so lieb hat, dass er seinen Sohn für sie gegeben hat! Das erleben Sie nirgendwo anders! Nur in der Gemeinschaft mit anderen Christen!
Das ist Gottes Geschenk! Dass wir hier miteinander und voneinander lernen können, wie man mit Gott lebt! Das 5 G: Gemeinschaft oder Gemeinde!
Mich springt bei diesem Thema, bei diesem G immer ein Vers aus Hebräer 10 an: „Einige haben sich angewöhnt, den Gemeindeversammlungen fernzubleiben. Das ist nicht gut; vielmehr sollt ihr einander Mut machen.“ (Hebräer 10,25 GNB)
Eigentlich steht da: „sollt ihr einander ermahnen!“ Aber das kommt letztlich aufs Selbe raus: Gottes Kinder suchen Gemeinschaft! Wenn sie das nicht mehr tun, wenn sie sich vereinzeln, dann ist das auch nicht mehr normal! Denn schließen sie sich von einer ganz einzigartigen Kraftquelle aus: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“, sagt Jesus, „da bin ich mitten unter ihnen!“ (Matthäus 18,20).
Wenn ich hier mit euch zusammen Gottesdienst feiere, dann rechne ich damit, dass Jesus mit seinem Heiligen Geist hier mitten unter uns ist und wirkt! Für euch! Für mich!
Wenn ich drei Wochen irgendwo außerhalb Urlaub mache und keine Gemeinschaft mit anderen Christen erlebe, dann fehlt mir was. Dann merke ich, dass ich geistlich verkümmere!
Lasst uns einander ermahnen und ermutigen, beieinander zu bleiben! Wir gehören miteinander zu Jesus - in die Kraft und Gegenwart seines Geistes!
(6) Gnade als resozialisierende Vergebung in Aktion
Jetzt kommt das sechste und für mich das Größte G überhaupt! Gottes Gnade! Seine Vergebung in Aktion! Unerlässlich lebenswichtig für Gottes Kinder! -
Der 1. Johannesbrief bringt das auf den Punkt. Da heißt es: „Wenn wir behaupten: ‚Wir sind ohne Schuld’, betrügen wir uns selbst und die Wahrheit lebt nicht in uns. Wenn wir aber unsere Verfehlungen eingestehen, können wir damit rechnen, dass Gott treu und gerecht ist: Er wird uns dann unsere Verfehlungen vergeben und uns von aller Schuld reinigen.“ (1. Johannes 1,8+9 GNB)
So süß und herrlich kleine Kinder sind, Gottes Kinder auch! - aber manchmal stinkt es bei ihnen zum Himmel!
Wir machen schlimme Fehler. Ich - und Sie auch! Wir laden Schuld auf uns!
Persönliche Schuld vor Gott,
- wenn wir sein Wort vernachlässigen,
- wenn wir nicht mit ihm reden und nicht auf ihn hören!
- Wenn wir nicht mutig auf seine große Kraft vertrauen, ihm glauben, sondern ängstlich auf unsere kleinen Erfahrungen setzen,
- sein Gebot nicht ernst nehmen.
Schuld im Umgang miteinander,
- weil wir Gemeinschaft vernachlässigen, verletzen!
Das ist schlimm! Aber das ist nicht das Ende! Denn Gott ist treu und gerecht! Er vergibt uns, wenn wir mit unserer Schuld zu ihm kommen! Er schenkt uns einen neuen Anfang! Jesus lebt! Er ist hier um uns zu sagen: Ich habe die Last deiner Schuld getragen, damit du aufstehen und weiter als Gottes Kind leben kannst!
Mein Lieblingswort aus dem Buch der Sprüche (24,16): „Ein Gerechter fällt siebenmal und steht wieder auf!“
Verstehen Sie, Gott möchte, dass wir das Ziel erreichen! Wie der Vater in der Geschichte vom verlorenen Sohn steht er jeden Tag da und hält Ausschau nach uns: Macht mein Kind sein Leben! Findet es den Weg zu mir?
Er hat uns alles dafür gegeben, was wir dafür brauchen, um diesen Weg zu finden:
- Sein Wort
- seine Telefonnummer, um mit ihm in kontakt zu bleiben: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen!“ (Psalm 50,15)
- den Glauben, die Möglichkeit des Vertrauens in seine Liebe
- seine Gebote als Navigationsgerät für den Weg in seine Arme
- seine Gemeinschaft: Menschen, die uns ermutigen und denen wir Ermutigung schuldig sind - und mittendrin er selbst
- seine Gnade, seine Bereitschaft, uns all das immer wieder neu zu schenken!
Gott möchte Sie segnen, Ihr Leben segnen mit diesen sechs großen Gs des Lebens mit ihm. Und ich bin mir sicher, dass Gott Ihnen heute Abend wenigstens eins dieser Gs besonders ans Herz gelegt hat. Halten Sie das fest!
Nehmen Sie sich das ganz fest vor: In dieser Woche lebe ich mit besonderer Aufmerksamkeit für dieses G und für den Segen, den Gott mir damit schenken will und für den Segen, den ich dadurch mit anderen teilen kann! Für die Freude darüber, so rundum versorgt und geborgen zu sein als sein Kind!
Ja, lieber Herr Jesus Christus, das möchte ich heute Abend ganz bewusst tun: Mich auf diese Freude einlassen, in dir geborgen zu sein! Ich möchte das jetzt ganz bewusst annehmen und stehen lassen, dass du aus Liebe zu mir gestorben bist, für alles,- was ich zuviel an Salz in der Suppe meines Lebens mit Gott habe, - für all die Leichen, die ich im Lebens-Keller habe, - für all die Verwundungen meiner Seele und für die die ich anderen Seelen zugefügt habe, - für alles, was mich hier bindet und knechtet, unendlich belastet.Du willst, dass ich davon frei bin! Deswegen kommst du als Auferstandener zu mir in mein Leben und beschenkst mich mit einem neuen Leben, gibst mir Macht Kind des Vaters zu sein!Ich habe dein Wort, ich habe die Möglichkeit mit dir über mein ganzes Leben zu sprechen, ich darf dir vertrauen und deinem Wort für mich gehorchen. Du rufst mich in deine Gemeinschaft, in deine Gemeinde, weil ich dir, mit dem was ich kann, wichtig bin! Du möchtest mit der ganzen Kraft deiner Auferstehung in mir leben und schenkst mir die Möglichkeit eines neuen Anfangs mit dir!Dafür lobe und preise ich dich mit meinem Leben! Amen.
Dienstag, 26. August 2008
Heilige Orte im Alltag - Predigt beim Gottesdienst zur Silbernen Konfirmation am 24. August 2008
Ich erzähle mal schnell einen geklauten Witz den ich hier bei unserer Willow Creek Tagung im Mai von Jörg Ahlbrecht gehört habe!
Da ist nachts ein Einbrecher in eine Wohnung eingestiegen. Hat soweit alles gut geklappt. Die Wohnungsinhaber sind ins Kino gefahren. Der Einbrecher fühlt sich also ziemlich sicher und sucht gerade die Kassette mit dem Familienschmuck. Und plötzlich hört er ganz in seiner Nähe eine Stimme, die sagt: „Heinrich sieht dich - und Jesus sieht dich auch!“ Vor Schreck lässt er fast seine schwere Taschenlampe fallen. „Mist, jetzt bin ich geschnappt! Gleich geht die Alarmanlage los, dann kommt die Polizei - und das war’s, Frau Mars!“
Aber nichts dergleichen passiert. Alles bleibt still. Unser Einbrecher denkt sich, dass ihm die Einbrecherei langsam an die Nerven geht und dass darum sein Gehör schon halluziniert ... Aber damit kann man ja nicht zum Arzt gehen: „Herr Doktor, immer wenn ich einbreche, höre ich Stimmen!“
Also macht er seine Taschenlampe wieder an und sucht weiter. Nach kurzer Zeit wieder die Stimme: „Heinrich sieht dich - und Jesus sieht dich auch!“ Und danach wieder komplette Stille. Unser Einbrecher fasst sich jetzt ein Herz und untersucht das Zimmer, in dem er sich befindet genauer - und tatsächlich. Im Licht seiner Taschenlampe entdeckt er einen Papageienkäfig mit Inhalt, der ihn ziemlich wach anblinzelt! Dem Einbrecher fällt ein Stein vom Herzen, aber er ärgert sich auch, dass er dem Papagei so auf den Leim gegangen ist und fährt den Vogel an: „Hör mal, eins will ich sagen: „Heinrich ist aber ein total bescheuerter Name für einen Papagei!“ Da sagt der Papagei: „Jaja, unser Herrchen ist schon ein bisschen durchgeknallt mit seiner Namensgebung für uns Haustiere! Stell dir vor: Den Rottweiler, der da gerade hinterm Sofa die Zähne bleckt, hat er Jesus genannt!“
Sehen Sie, die Vorstellungen, die wir so von Jesus haben, können total irreführend sein! Und es gibt viele Vorstellungen von Jesus! Durchaus richtige! Und doch sind sie manchmal irreführend!
- Selbstverständlich ist Jesus ein Religionsstifter!
- Es gibt viele gute Gründe ihn einen Propheten des gewaltfreien Lebens zu nennen.
- Oder zu sagen, dass er eine historische Persönlichkeit war, die neue und intensive Gottesbeziehung gelehrt und gelebt hat!
Aber ich halte das letztlich alles für Schnee von gestern! Was hat mir das heute zu sagen? Da wird es spannend!
- Was hat mir Jesus zu sagen, wenn ich eine Zeitung aufschlage, und dort lese, dass es in China 80 Millionen Christen gibt und dass die Gemeinden und Kirchen und Hauskirchen dort explosionsartig wachsen - trotz Verboten und Verfolgungen?!
- Was sagt mir das, wenn in Zentraltansania die Politiker sagen: Bitte mehr christliche Mission in unserem Land! Das verändert die Menschen und die Verhältnisse zum Guten?!
- Oder wenn in Südamerika zerstörte Familien gesund werden und mit neuer Hoffnung leben können, weil Familienväter Alkohol- und Drogenmissbrauch an die Seite stellen und sonntags in eine Wellblechkirche zum Gottesdienst gehen!?
Wahrend wir vielleicht von den Scheußlichkeiten von Gestern reden, von Kreuzzügen der Kirchen und von Mission mit dem Schwert, erfährt unsere heutige Welt im Namen Jesu viel Gutes! Gott tut Gutes!
Sehen Sie, ich halte das für entscheidend, dass wir Jesus nach seiner Bedeutung für Gestern beurteilen! Wir sollten ihn bei seinem Wort nehmen:
„Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen!“ (Johannes 10,10b). Das ist ein toller Satz, den ich liebe. Aber er ist noch nicht komplett!
Jesus sagt diesen Satz in einem Zusammenhang, wo er von sich selber als guter Hirte spricht, der will, dass seine Schafe leben leben! Und der komplette Satz heißt: „Der Dieb kommt nur um zu stehlen und zu schlachten und zu zerstören! Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen!“
Ich glaube, dieser Satz bringt unser Leben, was unsere Vorstellungen von Gott betrifft ziemlich auf den Punkt:
Wir sind damit durch das Feuer des Lebens, des Alltags gegangen! Das kann Glauben vertiefen; das kann aber auch unser Vorstellungen von Gott sehr abklären, abkühlen und abgestanden aussehen lassen! Das kann uns, was unser ganz alltägliches Leben betrifft, auch Gott gegenüber gleichgültig machen! Und dann sind wir um etwas Entscheidendes beklaut!
Wissen Sie, vor 25/26 Jahre haben Sie hier als Konfis gesessen! Und was liegt eigentlich näher, als bei solchen Konfirmationsjubiläen über verrinnende Zeit, ausfallende Haare und erste Fältchen zu reden! Wir können das nacheher gerne machen. Ich habe da Erfahrung ... Aber ich möchte das heute hier un d jetzt nicht: über verrinnende und verronnene Zeit sprechen.
Ich möchte Ihnen lieber sagen, dass Sie Zeit haben! Zeit, sich mit Ihrem Leben zu beschäftigen! Das ist nichts Mittelmäßiges, leidlich Erträgliches, sondern was Großartiges, Ihr Leben! Meins auch nicht! Es ist ein großartiges Geschenk - und ich liebe es! Und das möchte ich heute für Sie: Dass Sie das Geschenk, das Gott Ihnen mit Ihrem ganz konkreten Leben macht, tiefer verstehen! Dass Sie heute für sich ein Stück Himmel offen sehen können: einen Gott, der sich nichts Größeres vorstellen kann, als mit Ihnen in Gemeinschaft zu leben und Ihr Leben und das Leben der Menschen in Ihrem Umfeld zu segnen!
Wer den Himmel offen sehen will, muss auch hingucken!
Nimm dein Leben ernst! Nimm die Momente, die dein Leben dir bietet, ernst! Wenn du dich angesprochen fühlst, geh nicht gleich wieder zur Tagesordnung über, sondern höre genauer hin. Nimm es mit und denke darüber nach! Lies was dazu! Sprich mit anderen darüber!
Ich will Ihnen heute ein wenig was über Mose erzählen. Mose hat den Himmel offen gesehen! Sie kennen vielleicht die Geschichte, wie Mose in der Wüste die Schafe seines Schwiegervaters hütete ... und dann eben diesen brennenden Dornbusch entdeckte ...
Wissen Sie, Mose hätte in dem Moment auch sagen können: Da hat doch wieder ein Touri beim Oasen-Hopping mit dem Kamel-Shuttle eine Colaflasche in unsere wunderbare Wüste geschmissen. Jetzt hat die Sonne drauf geschienen und wir haben ein lustiges Feuerchen!
Nein, Mose geht nicht zur Tagesordnung über: Mose guckt hin! „Und als Mose hinsah, siehe, da brannte ein Dornbusch im Feuer. Aber der Dornbusch verbrannte nicht. Da dachte Mose: Ich will doch mal hinübergehen und diese wunderbare Erscheinung näher anschauen, warum dieser Dornbusch nicht verbrennt.“
Mal ein paar Worte zu Mose! Von seiner Mutter aus Angst vor den mordlustigen Ägyptern in einem Binsenkörbchen auf dem Nil ausgesetzt und wundersam gerettet und adoptiert von der Pharaonentochter! Und die ganze vielversprechende Karriere geht baden, weil Mose dann einen Staatsbeamten erschlug, der seine israelitischen Geschwister misshandelte. Aus der Kulturmetropole am Nil flieht Mose dann mitten in die Pampa und gründet sich dort eine Incognito-Existenz als Schafhirte! Vierzig Jahre lang Tag für Tag nichts als die Zicken und Böcke von Schwiegervater, wenn man eigentlich für etwas anderes qualifiziert ist!
Und dann taucht Gott auf - mitten an einem ganz normalen Tag in der Alltagspampa ruft er aus einem brennenden Dornbusch: „Moses!“
Wissen Sie, diese Szene fasziniert, beglückt mich! Ist das nachvollziehbar? Gott weiß Bescheid über den abgetauchten Mose! Der kennt ihn! Und der kennt uns! Er kennt unsere Namen! Unseren Alltag! Und unser Alltagsgesicht!
Neulich auf der Straße sah mich ein Pärchen so erwartungsvoll an, dass ich vorsichtshalber mal grüßte. Als sie vorbei waren, hört ich sie zu ihm sagen: „Ach, der kennt uns doch gar nicht!“ Kunststück, wenn man sich immer bloß Weihnachten sieht! Wichtig ist, dass Gott unsere Namen kennt! Unser Leben! Unsere Lebensumstände!
Und dann sagt Gott etwas, das mich total erstaunt! Er sagt: „Komm nicht näher. Und zieh die Schuhe aus; denn der Ort auf dem du stehst, ist ein heiliges Land!“ (Exodus 3,5)
Mose steht da inmitten der Pampa seines Alltags, in all den Verwicklungen seines wirklich ziemlich verbogenen Lebens - und Gott sagt:
„Der Punkt, der Moment, an dem du jetzt stehst, der ist heiliges Land. Hier kann ich dein Leben verändern!
Du brauchst nicht näherzukommen, ich bin da! Zieh lieber die Schuhe aus, spüre den Boden, bleib in Kontakt mit diesem Moment! Hier geht es um dich!“
Und dann sagt Gott noch etwas: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs!“ (3,6)
Auch wenn sich das ein bisschen so anhört, aber Gott listet hier keinen Stammbaum auf; er sagt einfach nur: „Ich kenne dich! Ich kenne deine Familie, deine Frau, deine Kinder! Ich kenne euch seit Generationen! Ich habe euch gemacht!“
Gott hat ein Wissen darum, ein Gefühl dafür, wie einmalig und wertvoll jeder Moment unseres Lebens ist! Er hat uns gemacht! Es kommt ihm darauf an, das wir um unseren Wert wissen - in den Oasen und in den Wüsten unseres Alltags! Darum schenkt er uns diesen Moment hier und jetzt - als einen heiligen Ort! Sie brauchen nicht die Schuhe auszuziehen! Aber bleiben Sie in Kontakt zu diesem Moment, den Gott Ihnen schenkt!
Die größte Kontaktfläche für echtes Leben, die Gott uns bietet, ist Jesus! „Der Dieb kommt nur um zu stehlen und zu schlachten und zu zerstören! Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken.“ (Johannes 10,10)
Am Ende von Lukas 18 steht eine faszinierende Geschichte über genau dieses Leben - und über meins und Ihres:
Lukas 18,35 Kurz vor Jericho saß ein blinder Bettler am Wegrand. 36 Er hörte die große Menschenmenge vorüberziehen und fragte, was da los sei. 37 Man sagte ihm, dass Jesus von Nazareth vorübergehe. 38 Da fing er an zu rufen: „Jesus, Sohn Davids, hab Mitleid mit mir!“ 39 Die Leute, die vor Jesus gingen, versuchten den Mann zum Schweigen zu bringen, aber er schrie nur noch lauter: „Sohn Davids, hab Mitleid mit mir!“ 40 Als Jesus ihn hörte, blieb er stehen und befahl, den Mann zu ihm zu bringen. Als er sich ihm näherte, 41 fragte er ihn: „Was willst du, das ich dir tun soll?“ „Herr“, bat er, „ich möchte sehen können!“ 42 Da sagte Jesus: „Sei sehend! Dein Glaube hat dich gerettet.“ 43 Und augenblicklich konnte der Mann sehen. Er folgte Jesus und lobte Gott. Und auch alle anderen, die es miterlebt hatten, rühmten Gott.
Da sitzt dieser Blinde in der Nähe des Stadttors von Jericho - und es ist wie jeden Tag: die Menschen gehen in Scharen an ihm vorbei. Und an seiner Situation ändert sich nichts. Es ist sein Job, dort zu sitzen und sich seinen Lebensunterhalt mit dem zu verdienen, was er als Blinder in der damaligen Gesellschaft kann. Betteln. Und es ist der Job der Menschen, an ihm vorbeizugehen, vielleicht um in die Stadt zu gehen, dort Handel zu treiben, vielleicht auch, um nach gelungenem Geschäft wieder aus der Stadt heraus nach Hause oder zu einer anderen Arbeit zu gehen.
Ich könnte dabei sein - oder Sie. Und ich bin der Überzeugung, diese ganze Szene könnte auch in einem Großraumbüro stattfinden oder morgens bei Ihnen in der Küche mit Kindern und Ehepartnern. Es ist nicht entscheidend in dieser Geschichte, dass da ein physisch blinder Mensch dabei ist! Es ist entscheidend, dass in dieser Geschichte Alltagsroutine stattfindet! Und dass hier einer mitten in seinem Alltag, den Blick für das Leben geschenkt bekommt!
Alles ist wie jeden Tag. Menschen gehen in Scharen an ihm vorbei. Nur heute ist einer dabei, der von sich sagt: „Ich bin gekommen, um das Leben in ganzer Fülle zu schenken.“ Und das macht diesen Moment, diesen Augenblick zu einem heiligen Ort! Denken Sie an Mose!
Und dieser Mensch dort am Stadttor reagiert. Er erkundigt sich, er fragt nach! Klar, weil er blind ist! Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht so entscheidend! Vielleicht hat er noch nie in seinem Leben gesehen! Vielleicht fragt er einfach wie wir auch manchmal: Ist das das Leben? Klar, eigentlich ist doch alles normal: Man wird älter. Man arbeitet. Zieht die Kinder groß. Lebt mit dieser Zeitfalle, in der es aus allen Ecken mal lauter und mal leiser ruft: Du hast zu wenig Zeit für mich! Alles normal!
Aber manchmal fragt man sich doch, ob es nicht auch besser und anders sein könnte? Lebendiger. Sicherer. Gerechter. Manchmal fragt man sich: Ist das das Leben? Wenn Sie so fragen, ist das ein heiliger Ort!
Der Blinde am Stadttor fragt nach: Was geht hier ab? Und er bekommt zur Antwort: Jesus von Nazareth geht vorbei!
Und jetzt macht der Mensch am Stadttor was Eigenartiges! Er ruft nicht: Jesus von Nazareth, erbarme dich meiner! Sondern er ruft: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
- Verstehen Sie, Jesus von Nazareth, das ist für die Leute in Jericho, eben dieser predigende Zimmermann aus Nazareth, der mal dem Nachbarn das Dach zu einem guten Kurs repariert hat.
Jesus von Nazareth, das ist der Religionsstifter, der Prophet des gewaltfreien Lebens, eine historische Persönlichkeit, die mal Geschichte geschrieben hat.
- Aber Jesus, du Sohn Davids, das ist der, der heute in China, in Zentraltansania, in Südamerika und hier bei uns in der Gemeinde Geschichte macht!
Jesus, du Sohn Davids, das ist der, der das Leben in ganzer Fülle schenkt!
Das ist alles ganz schön stark in dieser Geschichte. Das ganz normale Leben läuft hier weiter, als wäre nichts gewesen. Auch Jesus von Nazareth läuft weiter. Aber dieser Mensch am Stadttor lässt nicht locker! Das ist seine Chance, sein heiliger Ort, sein heiliger Moment und Augenblick! Und das bringt es auf den Punkt, was Glaube ist: Diesen Moment energisch festzuhalten und weiterzuverfolgen! Jesus, Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
Und der bleibt stehen: Jesus aber stand still und ließ ihn zu sich führen ... und fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tun soll? (Lukas 18,40+41)
„Was willst du?“ - Das ist die entscheidende Frage an diesem heiligen Ort, in diesem Augenblick!
Das ist jeden Tag die entscheidende Frage! Eine Frage, für die wir uns Zeit nehmen müssen: Was will ich? Eine Frage, die im Gespräch mit Jesus zu klären ist! Will ich heute groß von meinen Sorgen denken? Oder will ich groß von dir denken? Meinen Tag, mein Leben, meine Probleme mit dir an meiner Seite angehen?
Will ich gut von meiner Familie denken - oder will ich schlecht von ihr denken?
Will ich mit einem positiven Gefühl an meine Arbeit gehen oder mit einem negativen?
... Will ich? Sie können sich eine persönliche Liste machen ... und mit Gott über jeden einzelnen Punkt sprechen! Sie müssen nur wollen! Gott wird Sie nicht dazu zwingen! Jesus zwingt diesen Menschen am Stadttor von Jericho nicht aus der Finsternis ins Licht! Er will dorthin! Wollen Sie?
Der Blinde antwortet: „Herr, ich möchte sehen können!“ Da sagte Jesus: „Sei sehend! Dein Glaube hat dich gerettet.“ (Lukas 18,42)
Wir müssen hier genau hinhören: „Sei sehend! Dein Glaube hat dich gerettet.“ Die Rettung dieses Menschen liegt nicht darin, dass er wieder sehen kann! Sie liegt darin, dass er sieht, dass es der Glaube ist, der ihn rettet!
Es ist nicht die Sicherheit des Arbeitsplatzes, es ist nicht, dass Zuhause Gott sei Dank immer alles irgendwie glatt läuft, es ist nicht der berufliche Aufstieg, es ist nicht, weil ich so nett bin und immer alles mache - es ist der Glaube, der rettet!
Ich mag diese Geschichte besonders, weil sie zeigt, dass dieser Glaube an Jesus nicht in meinem Kopf oder in einem fromm abgeschotteten Winkel meines Herzens stattfindet, sondern dass er tatsächlich das Leben zum Überfließen bringt. Am Schluss heißt es von diesem Menschen: Er folgte Jesus und lobte Gott. Und auch alle anderen, die es miterlebt hatten, rühmten Gott. (Lukas 8,43)
Wer glaubt, lebt anders. Der findet immer einen Grund, Gott für all das Gute zu danken, zu loben, was er im Leben von Menschen tut! Der findet auch Zugang zu einer ganz neuen Familie, zu Menschen, die in einer Gemeinschaft und Gemeinde dieses überfließende Leben, das Jesus schenkt, miteinander teilen und ihm nachfolgen!
Wir wollen Ihnen, den Silberkonfirmandinnen und -konfirmanden heute ein Stück von dem heiligen Ort, den Mose und dieser Mensch aus Jericho erlebt haben, schenken und mit nach Hause geben - in Ihren Alltag!
Ein faszinierend gutes Buch über eben diesen Glauben! Geschrieben von einem faszinierenden Mann, den Sie in der vergangenen Woche vielleicht im Fernsehen gesehen haben! John McCain und Barack Obama haben sich mit ihm in seiner Kirche in Saddleback in Kalifornien getroffen, um mit ihm vor seiner Gemeinde über ihr Wahlprogramm zu diskutieren: Rick Warren! Leben mit Vision!
40 Tage lang haben Sie mit diesem Buch die Möglichkeit, jeden Tag eine Viertelstunde lang wie Mose heiliges Land zu betreten, Gott näher kennenzulernen, Ihren Glauben an Ihn zu vertiefen und in ein überfließendes Leben hineinzuwachsen, das Gott die Ehre gibt!
Ihnen, euch allen, wünsche ich viele solcher Momente echter Begegnung und Gemeinschaft mit Gott, die Ihr persönliches Leben und das Leben unserer Gemeinde verändern werden. Denn Gott tut Gutes! Amen.
Donnerstag, 17. Januar 2008
Predigt über Apostelgeschichte 10 am 21. November 2007, Trinitatiskirche
als Herausforderung und Verheißung
„Wenn wir schon Gebäude schließen müssen, lasst uns doch die Kirche schließen! Das merken 60% unserer Mitarbeiter/innen und 90% unserer Gemeindeglieder sowieso erst mal nicht!“
Die Geschichte, die ich Ihnen heute nahe bringen, nein: die ich Ihnen heute ins Herz stellen möchte, durfte ich mir nicht wirklich aussuchen! Ich habe auch schon ziemlich häufig darüber gepredigt ... Ich bin von den Mitgliedern unseres Kirchenmusikalischen Ausschusses gebeten worden, heute über die Situation unserer Gemeinde als Herausforderung und Verheißung zu sprechen - und da legt sich diese Geschichte nahe! Ich lege Sie Ihnen ans Herz! Wenn Sie an unsere Gemeinde denken, nehmen Sie sich Ihre Bibel und lesen Sie sie nach! Sie steht in Apostelgeschichte 10 ...
1. Ein Mann in Cäsarea aber mit dem Namen Kornelius
und sie beginnt mit folgendem Satz:
„In Cäsarea lebt aber ein Mann namens Kornelius, ein Hauptmann der Abteilung, die „die Italische“ genannt wurde“ (10,1). Und: Kornelius hat ein Problem, das die meisten seiner Kollegen im Amt nicht hatten! Zweiter Satz in unserer Geschichte: „Kornelius war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott“ (10,2). Er hielt sich also nicht an die althergebrachten römischen Gottheiten und Traditionen, mit denen er aufgewachsen war! Er wird's nicht gerade leicht gehabt haben bei seinen Offizierskollegen.
2. Wer fix und fertig ist, trifft keine Engel
Ich finde es großartig, dass seine Geschichte in der Bibel festgehalten ist! Kornelius ist ein lebendiges Ausrufezeichen hinter der Tatsache, dass Gott ein wirkliches, wesentliches Interesse daran hat, den Menschen ganz alltäglich seine Liebe mitzuteilen - und das auch jenseits der Mauern von Gotteshäusern und Kirchen!
Ich will damit jetzt übrigens nicht das allgemeine Vorurteil bedienen, dass man Gott sowieso am besten auf der Bank im Wald für sich allein begegnen kann. Hören wir genau hin: „... der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete ohne Unterlass ...“.
„Fromm“, das sollte man hin und wieder mal erwähnen, ist das Gegenteil von „doof“ und „naiv“; ein anderes Wort dafür ist „gewissenhaft“ oder „Gott-orientiert“. Und das ist man nicht für sich allein, sondern zusammen mit anderen (Kornelius also hier „mit seinem ganzen Haus“, mit einer Hausgemeinde aus Familie und Bediensteten); und das hat auch echte Konsequenzen für die soziale Kompetenz Gott und den Menschen gegenüber: Kornelius betet und unterstützt die jüdische Bevölkerung mit seinem Hab und Gut! Also nix mit Bank im Wald, wo keiner guckt!
Kornelius ist ein aktiver Gottsucher, der sich wirklich auf die Socken gemacht hat! Keiner, der sagt: Man müsste auch mal wieder in die Kirche gehen! und sich dann aber doch lieber die Bild am Sonntag kauft!
Bloß: Kornelius hat keine Kirche, keine Gemeinschaft - und ist es wohl auch leid, sein Gottesdienstsüppchen allein mit seinen Hausgenossen zu kochen. Gern hätte er Orientierung von anderen, mal mit anderen gesprochen, die auch versuchen, ihren Glauben zu leben. Er findet bloß keinen Anschluss. Die jüdische Bevölkerung nimmt gern sein Geld, aber nimmt ihn nicht in die Gemeinschaft auf. Die Römer haben für ihn nicht das richtige Angebot! Und die Christen bleiben am liebsten unter sich!
Aber Gott hat ein Herz für Leute, die nicht so recht ins Bild passen. Gott schickt Kornelius einen Engel! Wenn wir von Engeln hören, haben wir immer schnell gewisse Vorstellungen. Wir sollten das lassen! „Engel Gottes“ heißt einfach „Bote“ oder „Gesandter Gottes“ - Leute, die was ausstrahlen. Sie könnten das sein, wenn Sie Ihren Nachbarn zum Gottesdienst einladen ...
Kornelius’ Engel bittet ihn, Simon Petrus aus Joppe zu sich nach Cäsarea holen zu lassen! „Der wird dir sagen, was du tun sollst!’“ (vgl. 10,6), sagt er.
Und Kornelius beauftragt drei seiner Leute, diesen Simon Petrus zu ihm zu bringen. Wer immer das auch ist - Kornelius kennt ihn gar nicht! - aber „Der wird dir sagen, was du tun sollst!“ (10,6 Schl.), hatte der Engel gesagt!
Und das will Kornelius: Der will was hören, der will Orientierung, der will was wissen über die Koordinaten eines Lebens im Glauben an Gott, weil ihm dieser Glaube nicht nur Sonntags zur Kirchzeit, sondern ganz alltäglich wichtig ist!
3. Petrus ganz oben
Joppe liegt eine Tagesreise Richtung Süden von Cäsarea. Einen Tag später, als die Männer des Kornelius noch unterwegs waren - es war um die Mittagszeit - da saß Simon Petrus auf dem Dach des Hauses im Schatten.
Petrus ganz oben. Als Leiter der christlichen Gemeinde Jerusalems - auf dem Dach eines Hauses einer Partnergemeinde in Joppe! Eigentlich ist alles in Ordnung! Die christliche Gemeinde war gewachsen, hatte sich über Land und Leute verbreitert. So wie manche heute gern ein „christliches Abendland“ beschwören, konnte Petrus schon mal anfangen, hin und wieder von einem „christlichen Morgenland“ zu träumen.
Und doch stimmte da was nicht! Da stimmte etwas ganz und gar nicht! Da stimmte etwas so derartig nicht, dass es zum Himmel schrie! Oder dass Leute wie Kornelius es zum Himmel schrien! Und dort wurde es gehört.
Ich muss da vielleicht mal kurz etwas ausholen. Genau ein Kapitel vor unserer Geschichte begegnet Jesus einem gewissen Saulus von Tarsus, dem prominentesten Christenhasser und -verfolger der morgenländischen Welt und beruft ihn zum Missionar für Christus. Als Saulus zum Paulus wurde, war das die Geburtstunde der Weltmission! Wäre das nicht geschehen, wäre das Christentum eine flüchtige Erscheinung im Mittleren Osten geblieben - und niemand spräche heute mehr von Jesus!
Aber dass das geschehen ist, zeigt etwas Großartiges! Es zeigt, dass Gott lebendig ist! Dass Gott Dynamik hat! Dass Gott beweglich ist! Dass Gott Kraft und Vollmacht hat - und dass er all das auch benutzt: zum Heil der Menschen!
Petrus wusste von all dem nichts! Petrus dachte: Jesus hat bloß eine Lizenz für jüdische Menschen in Palästina - für Leute, die qua Geburt und Stammbaum schon was mit Gott anfangen können!
Petrus und seine Gemeinden waren irgendwann mal stehen geblieben. Aber die Zeit war weitergegangen. Und nicht nur die Zeit! Gott auch! Niemand hatte bemerkt, dass Jesus gerade unterwegs war nach Europa ... Und wahrscheinlich hätte ihm das auch niemand zugetraut!
Aber Gott sei Dank: Gott ist anders! Er traut seinen Leuten alles zu! Er traut auch Petrus zu, dass er da irgendwann von seinem Dach ganz oben herunterkommt und einfach wieder das Entscheidende tut: „Folge mir nach!“ (Johannes 21,19).
Lukas erzählt, wie Petrus, plötzlich ist der Himmel über ihm offen, sieht, wie sich ein Tischtuch vor ihm herab auf den Boden senkt! darauf: alle Tiere dieser Welt! Und dann sagt eine Stimme: „Steh auf, Petrus, schlachte und iss!“ Und Petrus sieht: Das sind ja alle Tiere durcheinander! Tiere, die nach der Tradition meines Glaubens rein sind - und Tiere, die nach der Tradition meines Glaubens unrein sind. Und er antwortet: „O nein, HERR; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen!“ Und dann meldete sich wieder die Stimme und sagte: „Was Gott rein gemacht hat, das nenne Du nicht verboten und unrein!“ (vgl. 10,11-16). Und diese kleine Diskussion zwischen Petrus und der Stimme aus dem Himmel wiederholt sich dreimal.
4. Petrus kommt die Treppe runter
Petrus ist zunächst sehr ratlos, was er davon halten soll. Aber Gott schickt ihm die Übersetzung gleich dazu: Denn unten klopfen jetzt die Männer des Kornelius an die Haustür. Und dieselbe Stimme von vorhin sagt: „Steh auf, steig runter; geh mit diesen Männern und zweifle nicht! Denn ich habe sie gesandt!“ (vgl. Apg 10,20).
Und Petrus geht mit. Er geht mit den Männern des Kornelius nach Cäsarea. Er geht mit Gott nach Cäsarea zu Kornelius, in sein Haus, zu seinen Leuten. Wir können das, glaube ich, gar nicht nachvollziehen, was das bedeutet. Für einen mit jüdischen Traditionen aufgewachsenen Menschen wie Petrus war das das absolute Tabu! Undenkbar!
Aber Petrus denkt auch an was anderes: Er denkt an das Tischtuch und: „Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten und unrein!“ (10,15; vgl. auch 10,28).
Und Petrus versteht: Dieses Evangelium von Jesus, das mein Leben so verändert hat und es gerade wieder verändert, das gilt nicht nur mir oder einem kleinen auserwählten besonderen Teil dieser Erde, das gilt jedem Menschen, der über diese Welt geht! Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Klasse, Nationalität, Religion, Kirchenmitgliedschaft!
Ich kann die Freude, die ihn bei dieser Erkenntnis durchströmt, förmlich spüren. Es ist die Freude eines Langzeitarbeitslosen, der seinen Traumjob antreten darf! Petrus ist wieder bei der Arbeit: „Folge mir nach!“ (Johannes 21,19).
Petrus predigt Kornelius und seiner Hausgemeinde das Evangelium von Jesus - sie hören ihm zu, und Gott öffnet ihnen das Herz und kommt in ihr Leben! Sie lassen sich taufen!
Als Petrus später nach Jerusalem zurückkehrt, hat er eine keine ganz leichte Aufgabe. Er hatte eine Gemeinde davon zu überzeugen, dass Gott mit der Zeit und mit den Menschen geht - und dass es ihre Aufgabe sei, mitzugehen! Petrus prägt dann irgendwann einmal dieses Wort von der Gemeinde als Haus Gottes, das aus „lebendigen Steinen“ (1. Petrus 2,5) besteht und sich an dem lebendigen Grundstein Jesus orientiert. Und der ist unterwegs in der Welt!
Diese Geschichte von Petrus und Kornelius erzählt in erster Linie von Gottes Leidenschaft! Gott ist fasziniert von den Menschen dieser Welt! Gott ist fasziniert von seiner Gemeinde in der Welt! Und es ist noch mehr als Leidenschaft und Faszination: Es ist Liebe! Er hat seinen Sohn für uns gegeben und damit einen Grund, eine Basis dafür gelegt, um eine echte, innige und persönliche Beziehung zu uns als unser himmlischer Vater aufzubauen!
Das heißt: Wenn Gott an uns denkt, dann denkt er an uns mit Gedanken eines guten Vaters für seine Kinder:
- mit aufbauenden, ermutigenden Gedanken,
- mit Gedanken des Wachstums im Glauben, des Fortschritts, der Entwicklung hin zu unserem großen Ziel in seinem Reich, wo er jeden Schmerz heilen wird, den uns das Leben zugefügt hat oder noch zufügen wird, wo er jede Träne abwischen wird!
Aber Gott, das erzählt diese Geschichte auch, ist nicht blind vor Liebe! Er schickt seine Kinder nicht allein auf einen Weg, den sie nicht schaffen, nicht zu einem Ziel, dass sie nicht erreichen, an dem sie scheitern müssen! Gott hat den Blick der Liebe, der auch unsere Schwachstellen sieht!
- Gott sieht die noch so tiefe, noch so innige und sogar tätige Religiosität eines Kornelius, die aber inzwischen nur noch Fragen aufwirft: Weil sie im eigenen Saft schmort! Weil sie keine Orientierung bekommt! Weil sie keinen echten Anschluss an Gott hat! Weil sie nicht in einer echten Gemeinschaft, in einer echten Gemeinde gelebt wird! Gott sieht das und möchte das ändern!
- Gott sieht Petrus. Petrus auf dem Dach. Petrus ganz oben! Die Welt ist in Ordnung, die Gemeinde floriert, expandiert. Man bleibt zwar irgendwie unter sich, erreicht immer nur dieselben Leute; aber man kann ja auch nicht immer gleich alles wollen! Doch! Gott will das! „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit in Jesus kommen!“ (vgl. 1. Tim 2,4).
Das ist Gottes Anspruch an seine Gemeinde! Und er macht Petrus diesen Anspruch deutlich - in der Geschichte mit dem Tischtuch, in der Begegnung mit den Leuten des Kornelius! Machen Sie sich das bitte klar: Für Petrus ist das so, geriete seine ganze Welt - und vor allem seine fertig eingerichtete Gemeinde - aus den Fugen. Jahrtausend alte Regeln, nach denen er von Kindheit an gelebt hat, sollen plötzlich nicht mehr gelten. Aber Gott mutet ihm das zu! „Petrus, hast du mich lieb?“
Gott kennt unsere Schwachstellen! Gemeinde ist nicht fertig! Und wir machen sie auch nicht fertig!
Ich glaube, dass an der Geschichte von Kornelius und Petrus drei Wünsche Gottes an seine Gemeinden in der Welt deutlich werden!
1. Gott wünscht sich mehr Gemeinde als wir denken!
2. Gott wünscht sich eine offenere Gemeinde als wir denken!
3. Gott wünscht sich eine hörende, auf sein Wort konzentrierte Gemeinde!
A.: Gott wünscht sich mehr Gemeinde als wir denken!
Sehen Sie, wenn wir in der Bibel über das Thema „Gemeinde“ lesen, dann finden wir dort ganz oft das Wort „Bau“! Und Bau heißt einfach: Das ist noch nicht fertig! Das wird wohl mal ein Haus, eine Kirche, ein Dom! Aber es ist noch nicht fertig!
Gemeinde ist immer und grundsätzlich noch nicht fertig! Denn Gott will noch mehr als das, was wir jetzt haben und heute sind. Und er will noch mehr als uns! Und vor allem will er nicht, dass wir bleiben wie wir sind!
Gott möchte, dass wir mit unserer Gemeinde ein Abbild des Reiches Gottes werden.
Reich Gottes? Reich Gottes, das ist das Ziel, dass uns Gott ermöglicht: in echter tiefer lebendiger Gemeinschaft mit Gott zu leben - in alle Ewigkeit - als die Menschen, zu denen er uns eigentlich erschaffen hat!
Wohlgemerkt: Das ist das Ziel! Und wenn du ein Ziel hast, dann stehst du nicht still. Dann bist du in Bewegung!
In unserer Geschichte ist Jesus auf dem Weg nach Europa! Und Petrus hat sich niedergelassen, dachte, Gemeinde sei eine Doppelhaushälfte und er sei jetzt fertig damit! Aber Gemeinde, die am Reich Gottes mitbauen will, ist nicht fertig! Baut nicht was fertig, und macht die Tür hinter sich zu! Petrus’ Kollege Paulus wird mal an die Korinther schreiben: „Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft!“ (1. Kor 4,20).
„Kraft“ - eigentlich steht da „Dynamik“! Bewegung! Wenn Gemeinde nicht mehr in Bewegung ist, wenn Gemeinde nur noch um sich selbst kreist, dann läuft Gott ihr weg zu den Menschen!
Wenn Sie mich fragen würden, was ich gern mit Ihnen zusammen machen möchte, dann sage ich: Ich möchte gern mit Ihnen zusammen mit Gott Schritt halten! Aber ganz ernsthaft: Dazu wird häufiger, als wir zunächst denken, umdenken erforderlich sein:
umdenken, umkehren, umbauen,
Fehler machen, umwerfen, neu anfangen!
Dafür steht Petrus in unserer Geschichte - und neben und hinter ihm noch viele andere!
Gott wünscht sich mehr Gemeinde als wir denken! Es gibt viel zu tun, wenn wir Gemeinde sein wollen, die er sich wünscht! Aber wenn wir uns auf diesen Weg machen, den er sich für uns wünscht, dann werden wir mit ihm rechnen können - mit seinem Segen!
B.: Gott wünscht sich eine offenere Gemeinde als wir denken!
Es ist deutlich bequemer, Gemeindearbeit zu machen, ohne die Korneliusse und Kornelias dieser Welt mitzubedenken! Petrus hätte lieber in Ruhe zu Mittag gegessen und alles wäre beim Alten geblieben!
Aber mit Gemeindearbeit klappt das so nicht! Warum? Weil der Herr der Gemeinde, unser Herr, unser Kopf, unser Herzstück - Jesus eben! - sagt: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5).
Und er sagt auch noch was hinterher, was letztlich das Programm von echter Gemeindearbeit in seinem Sinne umschreibt:
„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“ (Offb 21,6).
Sehen Sie, das sind die Koordinaten, das ist die Zielausrichtung von Gemeindearbeit im Sinne Jesu:
Dass hier dem Durstigen gegeben wird
von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!
Und das ist hier tatsächlich möglich! Warum? Darum: Weil er dafür gelebt hat, gestorben und auferstanden ist, damit der Durst nach Leben, wie Kornelius ihn spürte, wie jeder Mensch, der uns auf der Straße begegnet ihn spürt und kennt ..., - damit dieser Durst gestillt werden kann!
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben - und es im Überfluss haben!“ (Joh 10,10).
Und dieses Leben gehört nicht uns!
Auch ‚unsere’ Gemeinde gehört nicht uns! Diese Kirche gehört nicht uns! Unsere Gemeindehäuser gehören nicht uns! Unsere Kindergärten gehören nicht uns!
Auch unsere Pastorinnen und Pastoren, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Ihre Begabungen und Fähigkeiten - nichts davon gehört uns!
All das gehört Gott. Und er will daraus Gemeinde in der Welt bauen!
Mein Traum von Gemeinde ist es, immer mehr Menschen zu finden, die sich darauf einlassen, die nicht nur fragen:
„Was ist hier für mich? Was ist hier meins? Wo wird hier was für mich, für meine Leute, für meine Gruppe, für meine Altersklasse getan?“
Sondern Menschen, die dabei mitmachen, dafür beten und arbeiten, dass sie selbst und andere an die Quelle lebendigen Wassers kommen! Nicht weil wir so gut sind und so unverzichtbar! Sondern weil Gott so gut ist, uns dazu gebrauchen zu können!
Es geht hier nicht um uns! Es geht darum, dass wir hier mit unserer Arbeit den Menschen, die wir einladen und die zu uns kommen, das Herz öffnen, dass sie ihren Durst nach Gott, nach Leben, nach Sinn entdecken - und erleben, dass hier mitten unter uns Jesus selbst am Werk ist und genau diesen Durst stillt!
Gott wünscht sich eine offenere Gemeinde als wir denken - eine Gemeinde, die den Durst der Menschen sieht - und darauf reagiert!
C.: Gott wünscht sich eine hörende, eine auf sein Wort konzentrierte Gemeinde!
Wissen Sie, für unsere Geschichte und für unsere Gemeinde ist es entscheidend wichtig, was der Kornelius da von Petrus will!
- Kornelius wollte nicht mal ein Pils mit Petrus trinken.
- Er wollte mit ihm auch nicht die neuesten Entwicklungen der Kommunalpolitik von Cäsarea durchhecheln.
- Er wollte keine Fotogruppe für Männer aufmachen und auch seine Frau nicht bei einem Kurs für rhythmisches Malen mit Aquarellfarben anmelden.
Was Kornelius wollte, finden wir drei mal in unserer Geschichte: Kornelius wollte hören!
- Etwas hören, das tröstet, das hilft,
- das ganz konkrete Lebenshilfe gibt,
- das im Glauben und Vertrauen auf Gott wachsen lässt und hilft eben zu dem Menschen zu werden, zu dem Gott ihn eigentlich geschaffen hat!
Und Petrus gibt ihm und seinen Leuten was zu hören: Er feiert mit ihnen Gottesdienst!
Haben Sie sich mal Gedanken gemacht, was das ist: Gottesdienst? Jemand, den ich sehr schätze, hat das mal so auf den Punkt gebracht:
Gottesdienst ist ein Ort und eine Zeit, an dem und in der niedergeschlagene, verletzte, frustrierte, orientierungslose Menschen Liebe, Akzeptanz, Hilfe, Hoffnung, Vergebung, Leitung und Ermutigung finden.
Mit Gottesdienst kann ich gut leben! Und ich habe einen Herzenswunsch: Dass Sie das auch können! Erleben, dass man mit Gottesdienst gut leben kann!
- Weil man was hört, das tröstet, das hilft, das Leitung gibt,
- das Entwicklung zu einer glaubenden Persönlichkeit möglich macht,
- das einem zeigt, dass man lebt und sich bewegt und zusammen mit anderen an einer großartigsten Sache der Welt arbeitet: „dass die Durstigen bekommen von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“
Um das Hören ist es bei uns nicht wirklich gut bestellt! Einer unserer Presbyter hat mal einen Satz gesagt, der ist so gut, der könnte von mir sein:
„Wenn wir schon Gebäude schließen müssen, lasst uns doch die Kirche schließen! Das merken 60% unserer Mitarbeiter/innen und 90% unserer Gemeindeglieder sowieso erst mal nicht!“
Ich sage das ganz offen:
Wenn eine Gemeinde Gottesdienst nicht mehr lebt und nicht mehr liebt, dann hört sie über kurz oder lang auf, Gemeinde zu sein! Dann gibt’s da nette Unterhaltung, Kaffee, Softdrinks, auch mal einen Wein oder ein Bier - aber kein lebendiges Wasser!
Woraus ich lebe ich und mache meine Arbeit? Oft mit Ach und Krach? Aus meiner Stillen Zeit mit Bibel und Gebet - und aus dem Gottesdienst! Aus dem, was mir Gott dort schenkt! Aus seinem Wort!
Was gibt Ihnen Kraft für Ihr Leben und Ihre Arbeit in unserer Gemeinde?
Einer der letzten Sätze aus unserer Geschichte, wo Petrus mit Kornelius und seiner Hausgemeinde Gottesdienst feiert, sagt: „Der heilige Geist fiel auf alle, die das Wort hörten“ (Apg 10,44). ... auf alle, die das Wort hörten!
Ganz spitz gesagt: Gottes kraftvolle, vollmächtige und bevollmächtigende Gegenwart ist bei denen, die ihn hören, ihn anbeten und sich ihm verdanken!
Heute ist Buß- und Bettag - ein Tag der Einkehr und Umkehr! Eine Chance, nachzudenken und umzukehren: zur Quelle des lebendigen Wassers! Und Gott wünscht sich, dass wir dort hinkommen! Gott wünscht sich nichts mehr, als dass wir dort hinkommen - in seine kraftvolle und bevollmächtigende Gegenwart - dorthin, wo wir den hier in unserer Gemeinde erleben, der von sich sagt: „Siehe, ich mache alles neu!“
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Predigt über Johannes 12 am 02. August 2007
"Die Kirche im Dorf lassen" und andere Eseleien -
Worum es Jesus eigentlich geht ...
12 Am nächsten Tag verbreitete sich in der ganzen Stadt die Nachricht, daß Jesus auf dem Wege nach Jerusalem war.13 Da brachen die Menschen Palmenzweige ab, liefen Jesus entgegen und riefen ihm begeistert zu: «Gelobt sei Gott! Gelobt sei, der in Gottes Namen kommt! Heil dem König von Israel!» 14 Jesus ritt auf einem Eselsfohlen in die Stadt. Damit erfüllte sich das Prophetenwort: 15 «Fürchte dich nicht, du Volk Israel! Dein König kommt! Er reitet auf einem Eselsfohlen.» 16 Doch das verstanden seine Jünger damals noch nicht. Erst nachdem Jesus in Gottes Herrlichkeit zurückgekehrt war, begriffen sie, dass sich hier die Voraussage der Heiligen Schrift erfüllt hatte.
So, so! So kommt also dein König: auf einem Esel (vgl. Sach 9,9). So hat es der Prophet Sacharja 500 v. Chr. vorausgesagt - und so ist es dann auch gekommen! Und ehrlich: Mich hat das schon als Kind gestört! Ich hätte Jesus lieber auf einem Pferd gesehen - auf einem schönen, edlen Pferd. Das hätte ihm zugestanden. So habe ich die Sache damals zumindest gesehen.
Und damit war ich Kind meiner Zeit und meines Kulturkreises, in dem der Esel nicht gerade angesehen ist. Er gilt bei uns als störrisch - und das nicht von ungefähr: Es hat eine lange Geschichte, die schon in der Römerzeit beginnt und die den Esel als Inbegriff der Dummheit abstempelt.
Heute weiß ich mehr! Es hat eben eine Bedeutung, dass Jesus, der König, auf dem Esel kommt - und nicht auf dem Pferd oder in einer Staatskarosse! das hat was zu sagen! Das sagt was über Jesus selbst - und das sagt was über die Menschen, die ihn da in Jerusalem einziehen sehen! Sie machen alles richtig dort, die Menschen an den Straßen: Sie empfangen Jesus tatsächlich wie einen König! Sie legen Palmzweige, Blumen und Kleider auf die Straßen und sie rufen: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“
Alles richtig, was sie da machen, was da laut wird, was da zu sehen ist! Aber wie denken sie wohl? Denken sie vielleicht wie ich gedacht habe: „Mensch, kein Pferd? Keine Staatskarosse? Wie will der uns helfen? Auf einem Esel!?“
In den Geschichten der Bibel spielt der Esel nun schon eine besondere Rolle. Da ist er weniger ein dummes, störrisches Tier - sondern will was sagen: Und zwar über den, der auf ihm sitzt!
Ich versuche das einmal ganz kurz auf den Punkt zu bringen und sage: Wer in der Bibel auf dem Esel reitet, der kommt - ganz anders als der Reiter hoch zu Ross - in friedlicher Absicht! Der kommt als Friedensfürst, der kommt als Friedenskönig! Der kommt als Messias! So erzählen es die Propheten der Bibel.
Aber - und das halte ich jetzt für wirklich entscheidend:
- Der kommt als jemand, der was von dir will!
- Der will, dass du dich zu ihm stellst!
- Dass du dich zu ihm in ein Verhältnis setzt!
Mir geht das immer noch im Kopf und im Herz herum, was Martin Buchholz hier vergangenen Samstagabend gesagt hat: „Gott braucht Sie!“
Was heißt das? Wissen Sie, wer zu Pferd kommt oder in einer Staatskarosse, der braucht uns nicht mehr, dem ist das egal, wie du zu ihm stehst! Der hat nämlich die Macht und nutzt sie - eiskalt! Dem geht es nicht um dich! Der braucht dich schon gar nicht mehr!
Jesus, dieser Mann, der da in Jerusalem einzieht auf einem Esel, der zwar empfangen wird wie ein König, kommt aber ohne Purpurmantel, kommt aber ohne die Insignien eines Königs, kommt ohne Truppen und ohne Bodyguard!
Und das was die Leute da an den Straßen für ihn veranstalten und auf die Beine stellen, das mag alles ganz richtig und ordentlich sein; aber das passt letztlich überhaupt nicht zu dem, worum es Jesus geht! Das passt nicht zu dem, was er braucht - von uns braucht ...
- Jesus möchte nicht äußerliche Huldigung, möchte nicht Palmenzweige und große Worte!
- Jesus möchte nicht äußerliche Ehrerbietung aufgrund von Wundertaten!
Der Evangelist Johannes, der diese Geschichte erzählt, hat schon einen Grund, warum er das Verhalten dieser Leute so dezidiert beschreibt:
Denn ein paar Tage später schon sind sie anders! Da ist Schluss mit Jesus! Weg, weg mit dem!
Jesus möchte nicht äußerliche Ehrerbietung! Jesus möchte keine sonntägliche Verehrung!
Jesus möchte ins Zentrum des Lebens! Jesus möchte ans Herz! Jesus möchte wissen: Wie stehst du zu mir? In welches Verhältnis setzt du dich und dein Leben zu mir? Jesus braucht ein Antwort auf diese Fragen!
Sehen Sie, die Menschen da an den Straßen, so wie sie heute sind und so wie sie in ein paar Tagen sein werden - die denken doch:
Das reicht doch aus, was wir hier machen! Wir machen es ihm nett. ‚Dein Zion streut dir Palmen!’ Wir sagen die Sachen, die sich für so eine Gelegenheit gehören: Hosianna. Gelobt sei, der da kommt!
Aber darum geht es nicht! Ich mache das heute mal an einer anderen Geschichte aus dem Johannesevangelium fest ...
Da ist einer, der heißt Nikodemus! Ein berühmter Mann aus der religiösen Führungselite! Und der kommt in der Nacht zu Jesus. Und wahrscheinlich muss er in der Nacht kommen, damit er nicht gesehen wird, sonst ist seine Stellung in Gefahr. Aber er kommt! Und das ist erstmal entscheidend!
Und dann macht er im Grunde genau das, was die Leute da an den Straßen Jerusalems tun. Er streut Jesus keine Blumen auf den Weg, aber er zeigt ihm seine äußerliche Ehrerbietung aufgrund der Wundertaten, die er von Jesus gehört hat! „Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm!“ (Joh 3,2).
Und erstaunlich ist, was ihm Jesus sofort und ohne mit der Wimper zu zucken antwortet: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen!“ (3,3).
Also: „Egal, was du gehört hat, was die Leute über mich sagen, suchst du in mir nur den tollen Lehrer, Guru, Wundertäter, dann siehst du mich nicht richtig! Du musst von neuem geboren werden, um zu sehen, das in der Begegnung mit mir Gottes Chance für das Leben der Welt steckt! Für dein Leben!“
Jesus möchte ins Zentrum des Lebens! Jesus möchte ans Herz! Jesus möchte keine Ehrbezeigungen, sondern Jesus möchte wissen: Wie stehst du zu mir? In welches Verhältnis setzt du dich und dein Leben zu mir?
Und Nikodemus spürt diesen Griff, diesen Griff nach dem Zentrum seines Lebens, diesen Griff Jesu nach seinem Herzen - und lenkt ab!
„Wie kann ein Erwachsener neu geboren werden? Er kann doch nicht wieder in den Mutterleib zurück und noch einmal au die Welt kommen!?“ (3,4). Aber Jesus rückt nicht davon ab: „Nur wer durch Wasser und Gottes Geist neu geboren wird, kann in Gottes neue Welt kommen!“ (3,5).
Gut, aber stellen wir uns trotzdem mal der Frage des Nikodemus: Warum soll denn nun diese eine Geburt, mit der ich auf diese Welt gekommen bin, nicht ausreichen?
Merken Sie, dass das ein fauler Einwand ist? Eine faule Frage! Ist das denn Leben? Reicht das aus: Morgens aufstehen, Zähne putzen, frühstücken, arbeiten, essen, arbeiten, essen, fernsehen, schlafen, Morgens aufstehen, Zähne putzen, frühstücken, arbeiten... und so weiter.
Das hat Nikodemus! Und er hat sogar noch mehr: Die Maske nach außen, der Schein funktioniert: Ansehen, Anerkennung, Einfluss, Besitz! Alles stimmt!
Nur: Der Mann kann nachts nicht schlafen! Vielleicht, weil ihm das alles nicht mehr ausreicht! Weil er das Gefühl nicht los wird, dass er nicht sein Leben lebt, sondern das das Leben ihn lebt! Die Anforderungen, die Ansprüche von außen - beruflich, familiär, privat, ... die Vergangenheit, ... die eingefahrenen Spuren, aus denen man nicht mehr rauskommt!
Ich kenne viele Leute, die wollen und nicht können. Leute, die sich voll Begeisterung auch hier in unsere Gemeindearbeit hineinschmeißen - und dann läuft irgendwas nicht so, wie sie wollen, dass es läuft. Und dann werden sie bitter, wenden sich ab. Oder sie werden böse und bissig! Palmsonntag: Helle Begeisterung! Karfreitag: Tiefste Entrüstung und Rückzug in die Gleichgültigkeit! ... die eingefahrenen Spuren, aus denen man so gerne raus will und doch nicht mehr herauszukommen scheint! Nikodemus! -
Kennen Sie dieses Gebet des alten Kirchenvaters Augustinus? Dieser Mann hatte ein zutiefst bewegtes Leben! „Du hast uns zu dir hin geschaffen, Herr - und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir!“ - Nikodemus hat dieses unruhige Herz. Die Menschen an den Straßen Jerusalems haben dieses unruhige Herz!
„Du musst von neuem geboren werden!“, sagt Jesus.
Ich habe es heute ein bisschen mit den Zitaten. Gleich noch eins! Kennen Sie auch. Es stammt von Angelus Silesius (1674): „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir, du wärest ewiglich verloren“. - Ich kann es heute noch anders sagen - und dann bleibt es genauso richtig:
„Und wäre Christus tausendmal in Jerusalem eingezogen, und nicht in dein Herz, du wärest ewiglich verloren“.
Sehen Sie, es geht Jesus um unser Herz! Um das Zentrum unseres Lebens! Jesus möchte wissen: Wie stehst du zu mir? In welches Verhältnis setzt du dich und dein Leben zu mir?
„Du musst von neuem geboren werden!“, sagt Jesus! Ein Kind, das geboren wird, ist ganz das Kind seiner Mutter. Es kann nichts! Aber es kann alles zum Leben Notwendige lernen, dieses wunderbare Geschenk Leben begreifen durch die Liebe und die Zuwendung seiner Mutter!
Wenn ich im Sinne Jesu neu geboren werde, dann bin ich ganz ein Kind Gottes!
Ich kann zwar schon eine ganze Menge. Ich bin größtenteils vernünftig. Ich versuche aufrichtig zu leben, nicht zu lügen und zu betrügen! Ich versuche zu helfen, wo ich kann! Ich versuche zu lieben! Aber das ist nichts Besonderes! Das tut jeder Mensch - egal welchen Glaubens oder politischer Couleur! Selbst ein kompletter Atheist! Und nichts davon wird mich Gott näher bringen!
Gott näher bringen wird mich nur, wenn ich akzeptieren kann, dass mein Leben zutiefst mit ihm verbunden ist! Jesus sagt dem Nikodemus: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. ... Wer aber nicht an ihn glaubt, über den ist das Urteil schon gesprochen!“ (3,16+18).
Was ist das? Ist das eine Drohung! Nein!
Das ist der Entscheidungspunkt für das Leben schlechthin: Das ist Jesu mit allem Ernst ausgesprochene Einladung zum Glauben! Das ist die Einladung zu einem Leben, das sich nicht irgendwann in gescheiterten Versuchen verliert, sondern gewinnt!
„Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir!“ Und genau das werde ich lernen als neugeborenes Gottes Kind: Glauben! Lernen, dass es im Leben auf mein Verhältnis zu Gott ankommt! Darauf wie ich Jesus Frage beantworte: Wie stehst du zu mir? In welches Verhältnis setzt du dich und dein Leben zu mir?
Johannes wird so gut wie nichts mehr von Nikodemus nach diesem Nachtgespräch erzählen! Vor allem nicht Spektakuläres. Aber direkt nach Jesu Tod, als die Jünger sich vor lauter Angst versteckten, dass auch sie so enden würden wie er, da waren es nur ein paar Frauen und eben dieser Nikodemus, die ganz klar zu Jesus standen und ihm ein ordentliches Begräbnis verschafften. Ganz schön mutig! Ich stehe zu dir!
Noch mal zurück zur Geschichte vom Anfang - vom Einzug in Jerusalem. Direkt im Anschluss an dieses scheinbar so triumphale Spektakel kommen einige Griechen; und sie sagen den Jüngern: „Wir möchten Jesus kennen lernen!“ (Joh 12,21). Und nachdem die Jünger sie zu Jesus gebracht haben, da sagt er ihnen, die ihn kennen lernen wollen:
„Ich sage euch die Wahrheit: Ein Weizenkorn, das nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es dabei stirbt. Wer an seinem Leben festhält, wird es verlieren. Wer aber sein Leben loslässt, wird es für alle Ewigkeit gewinnen! Wer mir dienen will, der soll mir folgen!“ (12,24-26).
Letztlich sagt ihnen Jesus hier dasselbe wie damals dem Nikodemus: „Ihr müsst von neuem geboren werden! Ihr müsst euer Leben, das sich irgendwann in gescheiterten Versuchen verliert, loslassen, um zu gewinnen!“ - Neues Leben entsteht nur aus dem Tod! Aus dem endgültigen Abschied vom Alten!
Da gab es hier in Bochum mal einen Musicalstar aus England. Er machte mit beim Starlight Express. Er hatte einen tödlichen Motorradunfall. Und seine Freunde hier in Bochum wünschten sich eine Trauerfeier für ihn. Sie riefen einen englischen Pfarrer an, der sich zufällig hier in Bochum aufhielt - und baten ihn, die Trauerfeier zu halten. Er tat das. Und danach trafen sie sich wieder. Denn das war die Geburtstunde der englischsprachigen evangelischen Gemeinde in Bochum!
Merken Sie den Unterschied? Gemeinde baut man nicht mit falscher Begeisterung von den Straßenrändern aus! Nicht mit falscher Begeisterung von den Rändern des Lebens aus! Nicht mit falscher Begeisterung für Traditionen, die mit dem Alltag des Lebens nichts zu tun haben! Nicht mit voreiliger Ergriffenheit! „Man“ baut gar nicht Gemeinde! Sondern Gott baut Gemeinde - und gibt seinen Sohn dafür her! Jesus baut Gemeinde - und gibt sein Leben dafür her!
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“
Jesus ist dieses Weizenkorn. Und er sagt: „Wer mir dienen will, der folge mir nach!“
Gemeinde wird gebaut, wo Menschen zu Jesus stehen. Wo Menschen mitten im Leben von ihm ergriffen sind. Und zwar viel zu sehr ergriffen, um irgendwelche triumphalen Sprüche abzulassen, die doch bloß ein Strohfeuer sind, das am Sonntag brennt und am Freitag nicht mal mehr glimmt!
Und ich finde, Gott hat uns in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren Fortschritte geschenkt. Nicht Rückschritte! Es ist keine Zeit für Triumphrufe an den Straßenrändern! Sicher nicht! Aber es ist Zeit für Dankbarkeit, dass unser Vater im Himmel unserer Gemeinde Leben und Lebendigkeit schenkt!
Und das macht mir Mut, Menschen wie Sie zu bitten, um Ihren Einsatz zu bitten:
- Um Ihren Einsatz von Vertrauen, das Gott das auch weiter tun wird!
- Um Ihren Einsatz von Zeit, von Zeit für das Gebet für unsere Gemeinde, für die vielen Menschen hier, die zwar nominell zu uns gehören, aber nicht den Weg in unsere Gemeinschaft finden! Für die Menschen, die hier Verantwortung tragen, für unser Presbyterium, für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für unsere Pfarrerinnen und Pfarrer!
- Und ich bitte auch um Ihren Einsatz von Geld! Nicht damit hier alles beim Alten bleibt, und die Menschen an den Straßenrändern noch zufrieden nicken, weil die Kirche noch im Dorf steht!
Nein, ich bitte um all das und um Geld, damit wir weiter mit Jesus auf die Menschen zugehen können, nicht um Beifall zu gewinnen, sondern um ihre Herzen zu gewinnen: für Gott!
Donnerstag, 9. August 2007
Biblische Orientierung im Januar 2007
Nachfolge in der konzentrierten Hinwendung zu den Menschen: mit einer Stimme, ohne Spaltung, fest im Halt aneinander, in einem Sinn und in einer Meinung
Eher durch Zufall bin ich in diesen Tagen in den 1. Korintherbrief (1. Kor.) gestolpert. Der 1. Kor. ist ein historisches Zeugnis für eine tiefe Disharmonie in einer Gemeinde! Eigentlich hatte ich seit Monaten schon das Gefühl, dass ich diesen Brief mal wieder lesen sollte – aber wer beschäftigt sich schon gerne freiwillig mit Disharmonie?
Die Gemeinde in Korinth z. Zt. des Paulus (Pls) ist eine typische, gesettlete Gemeinde; man hat was erreicht, man kann sich sehen lassen, man hat einen ganz ordentlichen Bestand, man hatte seine Erfolge, man hat eine Tradition, man hat seine Rezepte, wie’s immer ganz gut gelaufen ist.
Könnte man typische korinthische Gemeindemitglieder fragen, warum ihre Gemeinde denn existiert, würden sie größtenteils antworten: „Die Aufgabe der Gemeinde ist es, sich um meine Bedürfnisse und um die meiner Familie, um die Bedürfnisse meines Kreises, meiner Gruppe zu kümmern!“ – Diese Antwort gibt es bis heute (und diese Antwort gibt es auch bei uns:) In Prozenten umrissen denken über 80% der Gemeindeglieder so! - Die Rolle des Pfarrers in einer solchen Gemeinde ist ebenfalls klar: er hält die Schäfchen, die bereits im Stall sind, glücklich und bei Laune, dass diese auch nur ja nicht fortlaufen! Gut; es gibt noch ca. 10%, die auf die Frage, wozu eine Gemeinde denn da sei, antworten: „Die Aufgabe der Gemeinde ist es, Menschen für die Botschaft von Jesus Christus zu gewinnen!“
Natürlich wurde eine ähnliche Umfrage unter Gemeindepastoren gemacht; die Ergebnisse waren genau umgekehrt. 90% sehen die Gemeinden mit der Botschaft von Jesus in die Welt gesandt – und nur 10% sehen das Ziel von Gemeindearbeit in der Bedürfnisbefriedigung ihrer Gemeindeglieder. Konflikte und Disharmonie sind da vorprogrammiert – nicht nur zwischen Pastoren und Gemeindeleitungsgremium, zwischen Pls und den Korinthern – sondern auch innerhalb der Gemeinde, unter den Korinthern. Und bei uns natürlich auch!
Als ich Sonntagmittag begann, den 1. Kor. zu lesen, da hat mich das zum ersten Mal richtig überwältigt, wie und was der Pls da schreibt (1,4-9) …: seine Dankbarkeit
- für diese Gemeinde und ihr Dasein,
- für den Reichtum an Gaben und Fähigkeiten, den es in dieser Gemeinde gibt.
Aber – und ich glaube, das ist entscheidend: Das macht Pls nicht an den Menschen dieser Gemeinde fest, sondern an dem wunderbaren Gott, der die Menschen dieser Gemeinde eben so und nicht anders mit diesen Gaben und Fähigkeiten beschenkt hat – nicht zu ihrem eigenen Ruhm, sondern zu Gottes Ruhm!
Und dann kommt Pls sofort zur Sache (1,11ff.); er zeigt die Konflikte, die Spaltungen, die z. T. tiefgreifenden Disharmonien auf - und hält dagegen:
Gemeinde spricht mit einer Stimme, handelt ohne Spaltung, lebt fest im Halt aneinander, in einem Sinn und in einer Meinung (vgl. 1,10). –
Ganz schön mutig hingeschrieben und ganz schön mutig gesprochen! Manche nennen so was Gleichschaltung! Ich nenne das ganz einfach: einen Konzentrationsversuch!
Für Pls ist der Grund von Gemeindearbeit vollkommen klar und deutlich! Wenn man ihn fragt, wodurch eine Gemeinde existiert, wird er sagen: Durch Jesus Christus. Das ist der Grund, auf dem eine Gemeinde gebaut wird (1. Kor. 3,11). Auf oder aus einem anderen Grund klappt nicht, wird was anderes - aber keine Gemeinde!
Für Pls ist Gemeinde der Leib Christi, der Körper Jesu in der Welt, die liebende, annehmende, leidenschaftliche Gegenwart Gottes in der Welt! Und für Pls geht es in den meisten Briefen, die von ihm im Neuen Testament geschrieben sind, darum, diesen Leib Christi funktionstüchtig zu erhalten oder wieder funktionstüchtig zu machen! Und funktionstüchtig ist ein Leib, ein Körper, ein Organismus nur, wenn er einheitliche und koordinierte Abläufe hat, wenn er ein Zentrum hat, das seine Lebensäußerungen koordiniert! Konzentration!
Dieses Zentrum ist für Pls ganz klar: die Hinwendung Gottes nicht zur Kirche, sondern zur Welt, zu den Menschen, in Jesus! Wenn Gemeinde tatsächlich Gemeinde sein will, dann vollzieht sie diese Hinwendung konzentriert nach. Komplett: mit einer Stimme, ohne Spaltung, fest im Halt aneinander, in einem Sinn und in einer Meinung. Konzentriert auf Gottes großartige Vorgabe / Vorlage in Jesus! Weihnachten! Gott wirft sich mit der Botschaft von seiner Liebe in die Welt!
Nicht an einen heiligen Ort, nicht in den Tempel von Jerusalem! In die Welt! Die Welt selbst wird zum heiligen Ort, weil er sich hineingeworfen hat! Das hat für mich Priorität in diesem Jahr! Die Hinwendung zu den Menschen, denen wir die Botschaft von Gottes Liebe und die Einladung zum Glauben schuldig sind! Und das ist nichts Neues.
Ganz pointiert zusammengefasst findet man das auch im Leitbild 2010 des Kirchenkreises Herne:
- Die Herausforderung durch die säkularisierte Gesellschaft - Wir nehmen wahr: Die Mehrheit der Menschen unserer Region, Kirchenmitglieder oder nicht, lebt ohne eine lebendige Beziehung zu Gott. Jesus Christus ist nicht Vorbild ihres Handelns. Gleichzeitig suchen Menschen nach Sinn und innerem Halt.Wir sind ihnen die Einladung zum Glauben schuldig. Wir bezeugen ihnen, was Gott für uns Menschen getan hat. Wir geben ihnen ein glaubwürdiges Vorbild christlichen Lebens.Wir bezeugen unseren Glauben in friedfertiger Nachbarschaft und Auseinandersetzung mit anderen Religionen, in unserer Region insbesondere mit dem Islam, religiösen Strömungen und säkularen Lebensauffassungen.
- Die Herausforderung durch die pfarrerzentrierte Kirche - Die Gemeinden unserer Region werden in der Regel noch wahrgenommen und in Anspruch genommen als vom Pfarramt dominierte Teile einer behördenähnlichen Institution.Wir wollen leben und erkannt werden als eine Gemeinschaft mündiger Christinnen und Christen, die Jesu Wort zusammenführt, die sich gemeinsam der Nähe Gottes freut, den Glauben teilt und ihn im Alltag vielfältig Gestalt gewinnen läßt.Wir fördern in Kirchengemeinden und Fachbereichen das Engagement Ehrenamtlicher. Menschen sollen sich mit ihren Begabungen in Gottesdienst und Gemeindeleben entfalten können und verantwortlich in der Gemeinde mitarbeiten.
Mittwoch, 8. August 2007
Predigt über Jesaja 43,1-7 am 15. Juli 2007 in der Trinitatiskirche Bochum
Was macht Sie einzigartig?
Ist es Ihr Name? Ist es Ihr Aussehen? Ist es Ihr Fingerabdruck? Ist es Ihr Leben? Was macht Sie wirklich einzigartig? Vielleicht unterscheidet mich mein Fingerabdruck oder die Anordnung meiner Chromosomen vom Rest der Menschheit! Aber den Rest der Menschheit auch von mir! Das macht mich nicht wirklich einzigartig!
Es gibt zwar tatsächlich in einem jeden Leben ganz besondere glückliche Momente, schicksalhafte Begebenheiten und sicher auch sehr tiefgreifende notvolle Erfahrungen. Und doch: Immer wieder begegnen einem Menschen, die ganz Ähnliches erlebt haben wie man selbst. - Auch mein Leben, mein Schicksal, die Summe meiner Lebenserfahrung macht mich nicht wirklich einzigartig!
Wirklich unverwechselbar und einzigartig werde ich allein durch andere! Dadurch, dass andere „Du“ zu mir sagen und ganz allein mich meinen: meine Kinder, meine Frau, meine Eltern, Schwestern und Brüder, Freundinnen und Freunde! Dadurch, dass die mich bei meinem Namen rufen und wirklich mich meinen, dadurch werde ich wirklich einzigartig und unverwechselbar! Und jeder, der ein solches „Du“ vermissen muss, weiß wie wenig das Leben wert ist ohne dieses Wort „Du“!
Gottes Ruf macht uns einzigartig
Gott weiß es auch. Und darum hat er Ihrem Leben einen einzigartigen und unverwechselbaren Wert verliehen! Und das ist unser Wort für heute aus Jesaja 43 (Verse 1 bis 7): „Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (43,1)
Das macht Sie, das macht mich, uns einzigartig! Dass Gott „Du“ zu uns sagt! Dass er Sie, mich, uns mit Namen kennt! Und mehr noch: er kennt uns nicht nur; er ruft uns! Das ist das Entscheidende, dass er uns ruft!
Wir sind nicht irgendeinem blinden Schicksal überlassene Existenzen, von Stern oder Unstern ziellos hin und hergetriebene Alltagsnomaden auf der einen Seite! Und auf der anderen Seite sind wir auch nicht das, was wir so gerne wären: die Bestimmer! Das spielen meine Kinder immer so gern: „Einen Tag mal der Bestimmer sein, das Sagen haben!“
Aber weder wir haben das Leben in der Hand, noch hat das Leben uns in der Hand! Sondern: dieses Leben, das wir, Sie und ich leben, hat ein ganz klares Ziel: dass wir Gottes Ruf, Gottes „Du“ hören! Und unser Leben unterliegt einer ganz klaren Regel und Grenze: „Du bist mein!“, sagt Gott. „Du gehörst nicht dir!“
Diese sieben Verse aus Jesaja 43 bringen es auf den Punkt, was letztlich über unseren Glauben an Gott zu sagen ist! Über unseren persönlichen Glauben wie auch über unseren Glauben an ihn als Gemeinde, als Gemeinschaft!
Es gibt im Grunde drei Dimensionen des Glaubens. Man könnte auch sagen: Stufen des Glaubens! Denn Stufen sind dazu da, dass man ein höher liegendes Ziel erreicht! Und wenn man ans Ziel will, muss man es wagen, sie zu gehen, zu ersteigen, manchmal auch zu erklimmen! Glaube ist:
- Gott möchte, dass wir ihn an unsere Angst heranlassen, an unsere zahlreichen kleinen und großen Lebensängste, die uns in Schach halten!
- Er möchte, dass wir ihn an unsere Gefangenschaft, an unsere Fesseln heranlassen, die unser Leben und unser Gemeindeleben so einengen, an unseren Kleinglauben, an unsere Gleichgültigkeit gegeneinander und gegenüber den Menschen, die wir noch nicht mit der Botschaft von Jesus Christus erreicht haben, an unsere Ichbezogenheit und Selbstzufriedenheit!
- Gott möchte an unsere Anonymität und Einsamkeit. Er möchte, dass wir wissen, dass er weiß: um uns, um unseren Namen, um unsere Schuld! Nur so gibt es Gnade: Nur wenn einer weiß! Wenn einer kennt!
Gott möchte unser Vertrauen! Er sagt: „Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.“ (43,2) Gott sagt damit: In den Krisensituationen deines Lebens bist du nicht ausgeliefert!
Ich glaube, wir sind uns darüber einig, dass ein Leben nicht immer nur gelingt! In der Summe eines Lebens (und auch in der Zwischensumme, die Sie und ich ganz persönlich für uns in ein paar Gedanken jetzt und hier aufaddieren können) finden sich viele Scherben! Scherben unserer Fehlentscheidungen, unserer Verletzungen und tiefen Brüche und Einbrüche, Scherben unserer Schuld und zugeschlagener Türen!
- Mose mit den Israeliten am Schilfmeer: War es die richtige Entscheidung aus der Sicherheit Ägyptens auszubrechen?
- Josua mit dem Volk Israel am Jordan: Soll alles so bleiben wie es ist - oder sollen wir den Schritt in die Zukunft und ins Ungewisse wagen?
- Daniel und seine Gefährten vor dem Feuerofen: War es richtig, Gott so kompromisslos zu trauen und zu dienen?
„Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.“ (43,2)
Wer sagt denn so was? Wer kann denn so was sagen?
„So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, ... und dich gemacht hat, ... der HERR, dein Gott, der Heilige ..., dein Heiland“ (43,1+3). Hier spricht der Gott, der unsere Hilfe ist, der Himmel und Erde gemacht hat, unser Schöpfer, creator, der also zutiefst kreativ ist und genau das auch mitten in unserem Leben und in unserem Gemeindeleben sein will!
Und dieser Gott möchte uns mit all dem, was uns ausmacht! Er möchte uns mit unseren Fähigkeiten und Begabungen, mit den Scherben unserer Fehlentscheidungen und Verletzungen, unserer Schuld! Er möchte all das wertvolle und auch das zerschlagene Porzellan unseres Lebens und Gemeindelebens! Und er wird daraus etwas Großartiges machen!
Gott möchte unser Vertrauen! Vertrauen ist eine wichtige, eine entscheidende Dimension des Glaubens - aber immer noch nicht alles.
Glaube ist Gehorsam
Denn es gibt noch eine weitere Dimension, eine nächste Stufe des Glaubens! Und das ist letztlich die Einschneidendste und Unerlässlichste! Wir finden sie in der Bibel - und zwar häufiger als wir denken! Unserer Alltagssprache heute ist sie eher fremd. Glauben heißt nämlich auch Gehorchen! Gott und sein Wort ernst nehmen und danach tun, handeln!
Konkret heißt das: Ich kann an die Existenz eines Gottes glauben; ich kann darauf vertrauen, dass Gott in meinem Leben und im Leben meiner Gemeinde kreativ werden will! Aber solange ich ihm und seinem Wort nicht gehorche, das, was ich von ihm weiß, höre und lerne, nicht in meinem Leben umsetze, solange wird mein Glaube nicht konkret, nicht wirksam und bringt nicht ans Ziel! Und ums Ziel geht es uns doch!? Ganz platt gefragt: Oder wollen wir nicht in den Himmel?
Und wirklich: „Gehorsam“ oder wie es die Bibel oft nennt: „Glaubensgehorsam“, das zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichten der Bibel:
- Adam und Eva waren nicht gehorsam - und das führte zu einer ganz tiefen Trennung von Gott!
- Abraham war Gott gehorsam, musste es immer neu lernen, gelangte aber ans Ziel!
- Auch Mose hatte hart an seinem Gehorsam gegenüber Gott zu arbeiten. Er gelangte nicht ins Gelobte Land, aber doch ans Ziel bei Gott!
- Die Propheten der Bibel waren nicht begeistert, als Gott sie in den Gehorsam rief, aber sie folgten seinem Ruf und gelangten ans Ziel!
- Die Jünger? Was taten sie, als Jesus sie rief? Sie gehorchten. Sie gingen aus ihren gewohnten Sicherheiten in die Unsicherheit der Nachfolge - und gelangten ans Ziel!
- Die Berufungsgeschichte des Paulus in Apostelgeschichte 9 ist geradezu ein Paradebeispiel für Glaubensgehorsam, der dich aus dem, was du gewohnt bist, was du für richtig und gottgefällig hältst, herausruft und dich ans Ziel bringt: nämlich Gott näher! Dich ihm ähnlicher macht! - Paulus und Hananias, um die es in dieser Geschichte geht, hingen an alten Zöpfen! Und hätten sie die nicht im Gehorsam gegenüber Gott losgelassen, wäre das Christentum eine flüchtige Erscheinung im Mittleren Osten geblieben - und niemand spräche heute mehr von Jesus!Das hat Paulus zutiefst beeindruckt und geprägt. Jahre später schreibt er an die Christen in Rom: „Ich habe die Liebe Jesu erfahren und bin als sein Apostel beauftragt, in seinem Namen bei allen Völkern Menschen für Gott zu gewinnen, damit sie an ihn glauben und ihm gehorsam werden!“ (Röm 1,5 nach HfA).Ich finde es fabelhaft, wie Paulus das so sagen kann: Ich habe die Liebe Jesu erfahren, ich bin ihm gehorsam geworden. Und jetzt möchte ich so leben, so handeln, so reden, dass auch andere diese Liebe erfahren und Gott gehorsam werden!
Es ist nicht unbotmäßig, wenn Gott von uns Gehorsam will. Er outet sich damit nicht als Diktator oder Despot. Er zeigt damit nur seine Leidenschaft für die Menschen dieser Erde! Zurück zu Jesaja: „Du bist in meinen Augen so wert geachtet und herrlich! Ich habe dich lieb! So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.“ (43,4+5).
„Gehorsam“ kommt von „gehorchen“, „horchen“, „hinhören“. Hören Sie hin, wie Gott Sie sieht! Das sind Sie: wert geachtet, herrlich, geliebt, in aller Furcht und Angst nicht allein, sondern in aller Geborgenheit begleitet vom Schöpfer und Erlöser dieser Welt! Sie sind einzigartig!
Glaubensgehorsam kann also nur heißen, dass ich dahingehend gehorsam werde, - dass ich versuche, mit meinem einzigartigen Leben, Denken, Handeln, Beten, Arbeiten die Leidenschaft Gottes für mich auf andere hin widerzuspiegeln!- Dass ich versuche, mit allem, was mir zur Verfügung steht, andere spüren zu lassen, wie einzigartig wichtig sie Gott sind!
Speziell für unseren Glauben im Alltag und in unserer Gemeinde kann das nur eine Wendung nach von innen nach außen bedeuten. Denn wenn Gottes Leidenschaft für die Menschen außerhalb unserer Gemeinde so groß ist, wie seine Leidenschaft für uns, wird er uns mit Sicherheit einmal fragen, warum wir unseren Glauben nicht offensiver, nicht außenwirksamer, nicht missionarischer gelebt haben!
Gott agiert mit der größtmöglichen Außenwirkung
Mir ist das beim Lesen der Bibel noch einmal sehr deutlich geworden: Gott dachte und handelte niemals provinziell, nur nach innen. Gott denkt und handelt global - mit der größtmöglichen Außenwirkung, konsequent missionarisch! „Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln, ich will sagen zum Norden: Gib her!, und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde, alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe (43,5-7).
Glaubensgehorsam - praktisch und missionarisch
Glaubensgehorsam heißt, dabei mitmachen, mitdenken, mitbeten ... Glaubensgehorsam heißt, von den alten Zöpfen abzulassen, mit denen wir nicht Gott, sondern uns selbst und unseren Eitelkeiten dienen, die anderen wiederum den Blick auf Gottes Leidenschaft für die Menschen versperren, die wir hier widerspiegeln sollten!
In Jesaja 43 findet sich auch die Jahreslosung für 2007, um die es meines Erachtens in der gesamten Evangelischen Kirche in diesem Jahr merkwürdig still geblieben ist. Im Zusammenhang gelesen: „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde“ (Jesaja 43,18+19).
Gott schafft Neues! Gegen größte Widerstände! Und doch wächst es auf! Gott baut seine Kirche - und er baut sie immer neu auf dem dokumentierten Fundament seiner Leidenschaft für die Menschen in Jesus Christus! Darum geht es - und alles darunter oder darüber hinaus ist Haarspalterei und dient nicht Gott, sondern der Befriedigung eigener Eitelkeiten!
Wir sind aber nicht da zu unserer eigenen Ehre! Es geht hier nicht um uns! Es geht hier nicht um unsere Gemeinde, unsere Kirche, unser Haus, unsere Gruppe, unseren Chor, unseren Kindergarten; es geht hier einzig allein darum, dass wir zu Gottes Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht sind. Und Glaubensgehorsam heißt zu seiner Ehre zu leben - mit der größtmöglichen Außenwirkung!
Ich glaube, dass wir das können, oder zumindest lernen können: mehr über unseren Glauben und über unseren großartigen Gott zu sprechen! Denn dieser Glaube gibt Perspektive für das Leben jedes Menschen! Ich versuche einfach mal, ganz schlicht und beispielhaft über die Perspektiven unseres Glaubens zu sprechen - so wie Sie das sicher auch könnten:
- Leben ist auch immer ein großes Stück Vergangenheit! Vieles Belastendes gibt es da! Menschen sind an mir schuldig geworden, haben mich verletzt, ignoriert, herabgewürdigt. Ich bin auch schuldig geworden an Menschen, auch an Gott, an Jesus! Die Bibel erzählt von Jesus als Heiland, als von einem, der heil machen kann. Auch mich mit meiner Vergangenheit!
- Die Perspektive des Glaubens gilt auch für meine Gegenwart. Der Glaube an Gott hilft mir, mich den Herausforderungen des heutigen Tages zu stellen. Es geht um meine Schwierigkeiten, aber auch um meine Erfolge. Es geht um meine Sorgen und meine Ziele heute, vielleicht auch um mein Leid, meine Niederlagen. Und es geht um meinen Umgang mit mir selbst und meinen Mitmenschen. Der Glaube an Gott, der mein Leben kennt, weil er in Jesus auch eins gelebt hat, kann hier Türen öffnen, meinen Blick weiten und mein Leben in allen Dingen auf eine komplett neue Basis stellen!
- Dem Glauben geht es auch um Zukunft. Worauf läuft mein Leben zu? Was kommt in 10 oder 20 Jahren? Hält mein Glück? Was ist eine gesunde Basis für das Leben, für das Älter-Werden? Was ist mit dem Tod und mit all meinen Plänen, Zielen und Hoffnungen? Das sind alles Fragen, für die Gott ein Herz hat und für die er uns eine Perspektive gibt.
„So spricht der HERR, der dich geschaffen hat und dich gemacht hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ - Das kann man doch nicht für sich behalten!
